Wissen · Steuern & Finanzen

Wie viel du für Steuern zurücklegen musst.

Das Honorar ist auf dem Konto, aber ein Teil davon gehört dem Finanzamt. Wie groß dieser Teil ist, rechnen wir mit den Werten für 2026 durch. Und wir zeigen die Falle, in die fast jeder Creator im zweiten Jahr tappt.

Du willst mehr Brand-Deals? Bewirb dich bei Mediafive

Vier Steuern, ein Konto.

Als Creator mit Gewerbe hast du es mit bis zu vier Steuern zu tun:

Dazu kommt gegebenenfalls Kirchensteuer von 8 oder 9 % der Einkommensteuer, je nach Bundesland.

So funktioniert die Gewerbesteuer.

Vom Gewinn ziehst du den Freibetrag von 24.500 Euro ab. Den Rest multiplizierst du mit 3,5 %, das ist der Messbetrag. Den multipliziert deine Gemeinde mit ihrem Hebesatz. Gleichzeitig senkt das Vierfache des Messbetrags deine Einkommensteuer (§ 35 EStG), höchstens um die tatsächlich gezahlte Gewerbesteuer. Bis zu einem Hebesatz von 400 % ist die Gewerbesteuer damit in der Regel fast komplett ausgeglichen. Liegt er höher, bleibt ein Rest. Unsere Beispiele rechnen mit 475 %, dem Hebesatz in Köln.

Rechenbeispiele für 2026.

Annahmen: alleinstehend, keine Kirchensteuer, keine anderen Einkünfte, Hebesatz 475 %. Zur Vereinfachung setzen wir das zu versteuernde Einkommen mit dem Gewinn gleich. In der Praxis senken etwa Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge das zu versteuernde Einkommen, die Steuer fällt dann etwas niedriger aus.

60.000 € Gewinn100.000 € Gewinn
Einkommensteuer laut Tarif14.233 €30.864 €
Gewerbesteuer (Messbetrag × 475 %)5.902 €12.552 €
Anrechnung (4 × Messbetrag)− 4.970 €− 10.570 €
Einkommensteuer nach Anrechnung9.263 €20.294 €
Solidaritätszuschlag0 € (unter 20.350 €)0 € (knapp unter 20.350 €)
Steuern gesamt15.165 €32.846 €
Anteil am Gewinnrund 25 %rund 33 %

Eigene Berechnung nach § 32a EStG (Tarif 2026), §§ 3, 4 SolZG, §§ 11, 16 GewStG und § 35 EStG. Gerundet. Dein tatsächliches Ergebnis hängt von deinen Abzügen und deiner Gemeinde ab.

Zum Vergleich: Bei 30.000 Euro Gewinn wären es rund 4.360 Euro, also etwa 15 %. Der Anteil wächst mit dem Gewinn deutlich, weil der Steuersatz progressiv steigt.

Auch Kleinunternehmer brauchen Rücklagen.

Als Kleinunternehmer sparst du dir die Umsatzsteuer, nicht die Einkommensteuer. Die richtet sich nach deinem Gewinn, egal wie du umsatzsteuerlich eingestuft bist. Gewerbesteuer fällt erst an, wenn dein Gewinn über 24.500 Euro liegt. Solange du Kleinunternehmer bist, ist das eher selten. Bei 20.000 Euro Gewinn und sonst keinen Einkünften wären es nach dem Tarif 2026 rund 1.600 Euro Einkommensteuer. Unser Rat: Leg auch hier ab dem ersten Deal 20 % vom Gewinn zur Seite. Hast du daneben einen Job, steigt der Steuersatz auf deine Creator-Einnahmen, weil alles zusammengerechnet wird.

Die Umsatzsteuer gehört nie dir.

Bist du regelbesteuert, stellst du einer Brand für ein Reel 5.000 Euro plus 19 % Umsatzsteuer in Rechnung, also 5.950 Euro. Die 950 Euro sind nicht dein Geld. Sie gehen mit der nächsten Voranmeldung ans Finanzamt, abzüglich der Vorsteuer aus deinen eigenen Einkäufen. Unser Rat: Überweise die Umsatzsteuer aus jeder Zahlung sofort auf ein eigenes Steuerkonto. Als Kleinunternehmer stellst du keine Umsatzsteuer in Rechnung, dieser Posten entfällt. Die Grenzen erklären wir unter Umsatzsteuer für Influencer.

12.348 €

Grundfreibetrag 2026 für Alleinstehende

20.350 €

Einkommensteuer, ab der 2026 Soli anfällt (Einzelveranlagung)

24.500 €

Freibetrag bei der Gewerbesteuer pro Jahr

Die Nachzahlungsfalle im zweiten Jahr.

Im ersten starken Jahr verlangt das Finanzamt oft noch keine oder nur kleine Vorauszahlungen, weil es deinen Gewinn noch nicht kennt. Das fühlt sich an wie steuerfrei, ist es aber nicht. Die Rechnung kommt mit dem ersten Bescheid, und zwar doppelt:

  1. Nachzahlung für das Vorjahr. Im Beispiel mit 60.000 Euro Gewinn rund 15.000 Euro, zu zahlen meist innerhalb eines Monats.
  2. Vorauszahlungen für das laufende Jahr. Das Finanzamt setzt sie auf Basis des Bescheids fest (§ 37 EStG): Einkommensteuer vierteljährlich zum 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember, Gewerbesteuer zum 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November (§ 19 GewStG). Bereits verstrichene Termine kann es über eine erhöhte letzte Vorauszahlung nachholen.

Im Beispiel musst du also innerhalb von zwölf Monaten rund 30.000 Euro an Steuern zahlen. Wir bei Mediafive sehen genau hier die meisten Creator ins Straucheln kommen, gerade nach einem Jahr, in dem die Deals plötzlich größer wurden. Das Geld war da, aber es wurde schon ausgegeben.

Läuft das neue Jahr deutlich schlechter, kannst du beim Finanzamt beantragen, die Vorauszahlungen herabzusetzen. Läuft es deutlich besser, melde das lieber selbst. Eine Erhöhung der Vorauszahlungen ist besser als eine zweite große Nachzahlung.

Unsere Rücklagen-Regel.

Das ist mehr, als die Rechenbeispiele zeigen, und zwar mit Absicht. Ein Puffer kostet dich nichts, eine Lücke kostet Säumniszuschläge und Nerven. Was übrig bleibt, ist am Ende ein Bonus. Wie du deinen Gewinn legal senkst, steht unter Was kann ich als Influencer absetzen?

Planbare Einnahmen machen Rücklagen leichter.

Für unsere Talents verhandeln wir Honorare, stellen die Rechnungen und haken bei offenen Zahlungen nach. In der Mediafive App siehst du jederzeit, welches Geld wann kommt. Damit weißt du auch, was du zur Seite legen musst. Für die Steuerplanung selbst lohnt sich ein Steuerberater mit Creator-Erfahrung.

Wie du überhaupt startest, liest du unter Gewerbe anmelden als Influencer. Und warum du Einnahmen nicht verschweigen solltest, erklären wir unter Steuerfahndung bei Influencern.

Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Steuerberatung. Regeln ändern sich und jeder Fall ist anders. Kläre deine konkrete Situation bitte mit einer Fachperson.

Du bist Journalist:in und suchst eine Expertenstimme zu diesem Thema? Interviews mit Mediafive CEO Andreas Ongemach

Häufige Fragen.

Wie viel Prozent sollte ich als Influencer für Steuern zurücklegen?

Als Faustregel 30 % deines Gewinns, bei Gewinnen über etwa 80.000 Euro eher 35 bis 40 %. Bist du regelbesteuert, kommt die komplette Umsatzsteuer aus deinen Rechnungen dazu, denn die gehört nie dir. Kirchensteuer und Krankenversicherung sind darin noch nicht enthalten.

Wie hoch ist der Grundfreibetrag 2026?

12.348 Euro für Alleinstehende, 24.696 Euro bei Zusammenveranlagung. Bis zu diesem zu versteuernden Einkommen zahlst du keine Einkommensteuer.

Muss ich als Influencer Solidaritätszuschlag zahlen?

Erst wenn deine Einkommensteuer 2026 über 20.350 Euro liegt (bei Zusammenveranlagung 40.700 Euro). Darüber steigt der Soli schrittweise auf 5,5 % der Einkommensteuer. Weil die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet wird, fällt er bei vielen Creatorn erst später an, als sie denken.

Wann muss ich Steuervorauszahlungen leisten?

Einkommensteuer am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember, Gewerbesteuer am 15. Februar, 15. Mai, 15. August und 15. November. Die Höhe setzt das Finanzamt per Bescheid fest, meist auf Basis deines letzten Steuerbescheids.

Warum muss ich im zweiten Jahr so viel Steuern zahlen?

Weil zwei Zahlungen zusammenkommen: die Nachzahlung für das erste Jahr und die Vorauszahlungen für das laufende Jahr, die das Finanzamt mit dem ersten Bescheid festsetzt. Wer im ersten Jahr nichts zurückgelegt hat, muss dann in kurzer Zeit fast zwei Jahressteuern stemmen.

Wir holen die Deals zu dir.

Erzähl uns kurz von dir. Einer von uns meldet sich persönlich bei dir.

Jetzt bewerben