Wissen · Steuern & Finanzen
Nach Dubai ziehen als Influencer? Was du über Wegzug und Steuern wissen musst.
Sonne, kaum Steuern, viele Creator vor Ort: Dubai klingt für manche nach dem perfekten Plan. Ein echter Umzug ist legal. Aber das deutsche Steuerrecht lässt dich nicht so leicht los, wie viele denken. Hier erfährst du, worauf es wirklich ankommt.
Wann du in Deutschland steuerpflichtig bist.
Nach § 1 Abs. 1 EStG ist unbeschränkt steuerpflichtig, wer in Deutschland einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat. Beides ist im Gesetz genau definiert:
- Wohnsitz (§ 8 AO): Du hast eine Wohnung unter Umständen inne, die darauf schließen lassen, dass du sie beibehältst und nutzt. Es kommt nicht darauf an, wo du gemeldet bist, sondern ob die Wohnung für dich verfügbar ist.
- Gewöhnlicher Aufenthalt (§ 9 AO): Hältst du dich zusammenhängend länger als sechs Monate in Deutschland auf, gilt das von Anfang an als gewöhnlicher Aufenthalt. Kurze Unterbrechungen zählen nicht.
Das heißt: Wer nach Dubai zieht, aber die Wohnung in Deutschland behält, bleibt in der Regel unbeschränkt steuerpflichtig. Die Abmeldung beim Einwohnermeldeamt allein ändert daran nichts.
Kein Doppelbesteuerungsabkommen mit den VAE.
Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist am 31. Dezember 2021 ausgelaufen. Laut Germany Trade & Invest gibt es bisher keine Bestrebungen für ein neues Abkommen. Für dich bedeutet das: Ob Deutschland besteuern darf, richtet sich allein nach deutschem Recht. Bist du hier unbeschränkt steuerpflichtig, versteuerst du auch Einkünfte, die du in den Emiraten erzielst, in Deutschland. Ein Abkommen, das dich bei zwei Wohnsitzen einem Land zuordnet, gibt es nicht.
6 Monate
Aufenthalt in Deutschland, ab dem ein gewöhnlicher Aufenthalt vorliegt (§ 9 AO)
10 Jahre
Dauer der erweiterten beschränkten Steuerpflicht nach dem Wegzugsjahr (§ 2 AStG)
seit 2022
kein Doppelbesteuerungsabkommen mit den VAE mehr
Erweiterte beschränkte Steuerpflicht nach § 2 AStG.
Auch wenn du Wohnsitz und gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland wirklich aufgibst, kann Deutschland noch Jahre lang mehr besteuern als bei anderen Ausländern. Das regelt § 2 Außensteuergesetz. Die Voraussetzungen:
- Du warst als Deutscher in den letzten zehn Jahren vor dem Wegzug insgesamt mindestens fünf Jahre unbeschränkt steuerpflichtig.
- Du lebst danach in einem Land mit niedriger Besteuerung im Sinne des Gesetzes.
- Du hast weiter wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn du an einer deutschen GmbH mit mindestens 1 % beteiligt bist, wenn deine Einkünfte mit Bezug zu Deutschland mehr als 30 % deiner Gesamteinkünfte oder mehr als 62.000 Euro betragen, oder wenn entsprechendes Vermögen mehr als 30 % deines Gesamtvermögens oder mehr als 154.000 Euro ausmacht.
Dann bist du mit allen Einkünften, die keine ausländischen Einkünfte im Sinne des Gesetzes sind, in Deutschland steuerpflichtig. Das gilt bis zum Ablauf von zehn Jahren nach dem Ende des Jahres, in dem deine unbeschränkte Steuerpflicht geendet hat, und nur in Jahren, in denen diese Einkünfte mehr als 16.500 Euro betragen. Welche deiner Einnahmen darunter fallen, ist eine Frage für deinen Steuerberater.
Wegzugsbesteuerung, wenn du eine GmbH hast.
Viele erfolgreiche Creator arbeiten über eine eigene GmbH. Hier wird es beim Wegzug besonders teuer. Nach § 6 AStG gilt das Ende der unbeschränkten Steuerpflicht als Verkauf deiner Anteile zum gemeinen Wert, wenn du mit mindestens 1 % beteiligt bist und in den letzten zwölf Jahren mindestens sieben Jahre in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig warst. Du zahlst also Steuern auf den Wertzuwachs deiner Firma, ohne einen Euro aus einem Verkauf erhalten zu haben.
- Auf Antrag kannst du die Steuer in sieben gleichen Jahresraten zahlen. In der Regel verlangt das Finanzamt dafür eine Sicherheit.
- Ziehst du innerhalb von sieben Jahren zurück, kann der Steueranspruch unter bestimmten Bedingungen entfallen. Die Frist kann auf Antrag um bis zu fünf Jahre verlängert werden.
- Ein Verkauf der Anteile oder hohe Ausschüttungen können dazu führen, dass die restliche Steuer sofort fällig wird.
| Echter Wegzug | Scheinwohnsitz | |
|---|---|---|
| Wohnung in Deutschland | Aufgegeben, nicht mehr verfügbar | Bleibt bestehen und wird genutzt |
| Aufenthalt | Lebensalltag findet im Ausland statt | Großteil des Jahres weiter in Deutschland |
| Steuerlich | Legal, aber AStG beachten | Unbeschränkte Steuerpflicht bleibt |
| Risiko | Nachweise sauber führen | Steuerhinterziehung mit Nachzahlung und Strafe |
Warum ein Scheinwohnsitz auffliegt.
Das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität NRW hat im Juli 2025 mitgeteilt, dass es ein Datenpaket mehrerer Social-Media-Plattformen mit rund 6.000 Datensätzen auswertet. Laut der Behörde verlegen Influencer ihren offiziellen Wohnsitz häufig an Briefkastenadressen, etwa in Dubai. Den tatsächlichen Wohnort will die Steuerfahndung durch lückenlose Analysen der Social-Media-Aktivitäten nachweisen. Dafür gibt es ein eigenes Influencer-Team.
Das ZDF berichtete im Mai 2026, dass ein echter Wohnsitzwechsel legal ist. Wer aber nur zum Schein ins Ausland zieht und weiter in Deutschland lebt, hinterzieht nach Einschätzung der Ermittler Steuern. Mögliche Folgen sind Nachzahlungen, Geldstrafen und in schweren Fällen Freiheitsstrafen. Was die Fahndung sonst noch auswertet, liest du unter Steuerfahndung bei Influencern.
So weist du deinen Lebensmittelpunkt nach.
Wenn du wirklich gehst, dokumentiere es so, dass du es Jahre später noch belegen kannst:
- Kündige oder verkaufe deine Wohnung in Deutschland. Eine Wohnung, die dir weiter zur Verfügung steht, ist das größte Risiko.
- Halte Mietvertrag, Aufenthaltstitel und Nebenkostenabrechnungen im neuen Land bereit.
- Führe einen Kalender, an welchen Tagen du in Deutschland bist, mit Flugtickets und Hotelbelegen.
- Achte darauf, dass dein Content zu deinem Wohnort passt. Was du postest, ist öffentlich und kann ausgewertet werden.
- Kläre vorab, was mit deiner GmbH, deinen Verträgen mit deutschen Brands und deinem Vermögen in Deutschland passiert.
Unser Rat: Erst Steuerberater, dann Umzugskarton.
Fazit.
Dubai ist kein Ort, an dem deutsche Steuerpflichten automatisch enden. Solange du in Deutschland eine Wohnung hast oder dich hier überwiegend aufhältst, bleibst du hier steuerpflichtig. Und selbst nach einem echten Wegzug können § 2 und § 6 AStG noch greifen. Wer zurückblickend Fehler entdeckt, sollte über eine Selbstanzeige sprechen, bevor die Fahndung sich meldet.
Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel gibt eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine Steuerberatung. Regeln ändern sich und jeder Fall ist anders. Kläre deine konkrete Situation bitte mit einer Fachperson.
Häufige Fragen.
Reicht es, sich in Deutschland abzumelden?
Nein. Für das Finanzamt zählt nicht die Meldeadresse, sondern ob du in Deutschland eine Wohnung innehast, die du beibehältst und nutzt (§ 8 AO), oder ob du dich hier gewöhnlich aufhältst (§ 9 AO). Behältst du zum Beispiel deine Wohnung in Köln, bleibst du unbeschränkt steuerpflichtig.
Gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen mit den VAE?
Nein. Das Abkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Arabischen Emiraten ist am 31. Dezember 2021 ausgelaufen. Ein neues Abkommen gibt es bisher nicht. Ob du in Deutschland steuerpflichtig bist, richtet sich damit allein nach deutschem Recht.
Was passiert mit meiner GmbH, wenn ich wegziehe?
Bist du mit mindestens 1 % an einer Kapitalgesellschaft beteiligt, kann der Wegzug nach § 6 AStG wie ein Verkauf deiner Anteile behandelt werden. Versteuert wird dann der Wertzuwachs, obwohl du nichts verkauft hast. Die Steuer kann auf Antrag in sieben Jahresraten gezahlt werden.
Wie lange kann Deutschland nach dem Wegzug noch Steuern verlangen?
Unter den Voraussetzungen der erweiterten beschränkten Steuerpflicht nach § 2 AStG bis zum Ablauf von zehn Jahren nach dem Ende des Jahres, in dem deine unbeschränkte Steuerpflicht geendet hat.
Wie prüft die Steuerfahndung, wo ich wirklich lebe?
Die Steuerfahndung NRW hat 2025 öffentlich erklärt, den tatsächlichen Wohnort von Influencern mit Scheinadressen, etwa in Dubai, durch lückenlose Analysen ihrer Social-Media-Aktivitäten festzustellen.
Wir holen die Deals zu dir.
Erzähl uns kurz von dir. Einer von uns meldet sich persönlich bei dir.
Jetzt bewerbenWeiterlesen
PR-Pakete & Geschenke versteuern
Pauschalsteuer, Dauerleihgabe oder selbst versteuern
LesenGratis-Reise versteuern
Pressereise, Reisetagebuch und privater Anteil
LesenGewerbe anmelden als Influencer
Ab wann, wie und was die Kleinunternehmerregelung bringt
LesenRechnung schreiben als Influencer
Pflichtangaben, Umsatzsteuer und Brands im Ausland
LesenKünstlersozialkasse für Influencer
Wer reinkommt und was die KSK spart
LesenSteuerfahndung bei Influencern
Was die Task Force NRW weiß und wen es trifft
Lesen